über homophobie

„Schwule Sau“ ist eines der meist benutzten Schimpfwörter an deutschen Schulen. Nicht immer wissen diejenigen, die es benutzen, ob ihr gegenüber tatsächlich schwul ist. Man sieht es ja nicht. Dabei reichen oft schon kleine Abweichungen von der Norm, wie sich Jungs zu verhalten haben, um als solche bezeichnet zu werden. Die „schwule Sau“ ist jemand, der einfach nicht so ist, wie der Rest. Mit dem muss doch einfach was nicht stimmen.

In heteronormativen Mustern zu denken, ist Teil oder gar Ausgangspunkt der Homophobie. Jungs müssen sehr jungenhaft und Mädchen sehr mädchenhaft sein. Dazu gehört, dass sich ein Junge in Mädchen verknallt und umgekehrt. Dazu gehört aber auch, dass ein Junge lieber Fußball als mit Puppen spielt, dass er Autos mag und keinen großen Wert auf sein Äußeres legt. Wenn einer oder gar alle drei Punkte nicht passen, dann ist der Junge anders, meint die Norm und der Sprücheklopfer auf der Nachbarbank. Nahe läge dann wohl, dass der Junge schwul ist. Und wenn nicht? Wenn doch?

Heteronormativität erwartet von bestimmten Menschen ein bestimmtes Verhalten – und schränkt dabei sowohl Homo- und Bisexuelle, als auch Heterosexuelle ein. Wenn sich im Beispiel oben also heraus stellt, dass der Junge tatsächlich schwul ist – wird er es sagen? Wenn ihn schon die Annahme, dass er es sein er könnte in Schwierigkeiten bringt – wie soll es ihm dann erst ergehen, wenn er offen darüber spricht? Im Gegensatz zu anderen Minderheiten kann die sexuelle Orientierung geheim gehalten werden. Genauso übrigens, wie die Homophobie. Man ist unsichtbar. Und das jedes Mal, wenn man einem neunen Menschen begegnet.

Bilderbuch-Schwule gibt es außerhalb des Fernsehens wenig. Ganz abgesehen von Lesben, die selbst in der Glitzerwelt fast gar nicht gezeigt werden. Im Durchschnitt sind fünf bis zehn Prozent aller Menschen homo- oder bisexuell. Macht vier Millionen in Deutschland. In Brandenburg etwa sind das dann 100 000 Personen. Das müsste also nach der Logik des Stammtischs heißen, dass in Brandenburg 100 000 Frisöre, Modedesigner und Kunstliebhaber leben – diese bunten Vögel, wie es so schön heißt. Allesamt sofort als schwul erkennbar. Und weil das ein alberner Gedanke ist, lohnt sich die Überlegung, dass vielleicht auch die Dame an der Bar mit langen Fingernägeln und viel Make-Up lieber nach ihrer Partnerin, als ihrem Mann gefragt werden möchte.

Homophobie kann auch als Heterosexismus beschrieben werden. Denn man kann nicht nur von einer Abneigung oder Angst zu Homosexuellen sprechen, sondern muss tatsächlich sagen, dass Angriffe auf Lesben, Schwule und Bisexuelle damit zu begründen sind, dass die Angreifer alle, die nicht heterosexuell leben als „unnormal“ ansehen. Oft fühlen sich homophobe Personen durch Homosexuelle/Homosexualität in ihrer eigenen Identität gestört oder verunsichert. Es ist wichtig zu verstehen, dass Homophobie ein ebenso großes Problem wie Rassismus darstellt – eines, das oft persönlich ist, aber gesamtgesellschaftliche Auswirkungen hat oder mitunter tatsächlich gesellschaftlich verankert ist und muss daher auch als solches behandelt werden.

Hier die Erklärung vom Fachpersonal:

Homophobie ist eine Meinung oder Wertung einer Einzelperson, Gruppe oder Gesellschaft, die einer stark negativen Einstellung gegenüber Homosexualität oder Homo- und Bisexuellen Ausdruck verleiht. Ist oft verbunden mit Transphobie.

Aus: BRYT! von RFSL Ungdom, 2005