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DER TÄGLICHE KAMPF

In Polen geben Politiker öffentlich ihr homophobes Gedankengut preis und denken über Gesetze nach, die die Entlassung aller homosexuellen Lehrer fordern. In diesem Interview erzählt die Polin Monika von ihrer Arbeit gegen Homophobie und ihrer persönlichen Situation.

Seit wann arbeitest du mit lsbt Problemen? Gab es einen speziellen Anlass?

Ich arbeite mit lsbt Fragen seit Anfang 2005. Dank einer Freundin, die Leiterin eines der Regionalbüros war, bin ich mit der Campaign Against Homophobia (KPH) in Kontakt gekommen. Im Januar 2005 ging ich nach Stockholm, um zu studieren, was mir die Möglichkeit zu einem weiten Spektrum an Aktivismus und Organisationsarbeit gab. Ich bekam viele wertvolle Verbindungen mit verschiedenen lsbtq Gruppen und Organisationen, die gegen Homophobie und Heteronormativität kämpfen. Diese Erfahrung stärkte und förderte mich darin, die in Polen die Situation verändern zu wollen und dabei halfen mir die Erfahrungen aus Schweden natürlich sehr. 

Wie sieht deine Arbeit gegen Homophobie aus?

Ich habe viele internationale Kontakte, mit denen ich zusammen arbeite, ich gebe Präsentationen während verschiedener Konferenzen und Helfe der KPH – es kommt drauf an, was gerade gebraucht wird. Mein Antrieb ist der Wunsch, über die Situation in Polen zu berichten. Ich versorge internationale Freunde, die oft für lsbt NGOs arbeiten, mit Informationen über die Situation in Polen und dank diesem Umstand sind sie in der Lage, Aktionen außerhalb des Landes zu organisieren, die einen größeren Impact haben, da sie auf europäischem Level arbeiten.

Ich denke, dass meine beste Präsetation zur Stockholm Pride 2006 war. Ich sprach über die Situation in Polen und habe Bilder der polnischen „Prides“ gezeigt. Der Raum war voller Leute. Es war sehr besonders und emotional anstrengend (draining), darüber zu sprechen, was alles passiert ist und es alles noch einmal durch zu leben. Aber ich habe es wirklich genossen!

Was ist die übliche Reaktion, wenn du Leuten von der Situation in Polen erzählst?

Die Leute sind schockiert, dass die Situation so schlecht sein kann – im 20. Jahrhundert und in einem Land, das Mitglied der Europäischen Union ist. Der Schock ist dann noch größer, wenn sie die Bilder sehen. Sie fragen oft, wie die politische Situation ist oder was die EU macht, um zu helfen. Und ich bin so glücklich, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Präsentation habe, jemandem die Augen öffnen kann und die Leute darauf aufmerksam mache, dass die Situation für lsbt Personen nicht immer so perfekt ist, wie in Schweden oder den Niederlanden. Ich bin sehr glücklich darüber und deshalb bin ich auch immer für neue Präsentationen zu haben.

Möchtest du in Polen bleiben?

Nein, möchte ich nicht. Ich möchte nicht in Polen bleiben, weil ich nicht jeden Tag dazu gezwungen werden möchte, dass es mir vielleicht erlaubt wird, mit der Person zu leben, die ich liebe. Ich weiß, dass es auf der einen Seite auch als sehr selfish angesehen werden kann, dass ich den Kampf anderen überlasse, aber ich möchte an einem Ort sein, an dem ich sein kann, wer ich bin und nicht gezwungen werde, mich dafür zu entschuldigen oder deshalb Angst zu haben. Seit dem Gesetzesvorschlag, homosexuelle Lehrer zu entlassen, habe ich etwa eine Art Zäsur auf Arbeit, wenn ich mich mit Leuten unterhalte. Vielleicht ist es lustig oder unwichtig für eine kurze Periode, aber ab einem gewissen Punkt ist es unerträglich.

Was für Wünsche hast du für Polen?

Ich würde mir einfach wünschen, dass dieses Land stolz auf seine Bürger sein könnte, egal WER sie sind. Und ich würde gerne sehen, dass die Politiker ihre Augen öffnen und verstehen, dass lsbtq Personen normal, wertvoll und beeindruckend sind. Ich würde gerne Gleichheit sehen.

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Monika Grzywnowicz ist 24 Jahre alt und studiert in Sosnowiec. Bald wird sie wahrscheinlich einen Europäischen Freiwilligendienst bei der schwedischen schwul-lesbischen Studentenorganisation beginnen.

Dafür bewarb sie sich bereits im letzten Jahr, aber die polnische Nationalagentur, geleitet vom Bildungsministerium, lehnte sie als einzige Bewerbung für einen EFD ab. So lautet die offizielle Begründung: „Die Mehrheit des Auswahlkomitees gab an, dass KPH gegen die Politik ist, Kinder und Jugendliche zu erziehen, was vom Ministerium vorausgesetzt wird. Die Politik des Ministeriums unterstützt keine Aktionen, deren Ziel es ist, homosexuelles Verhalten und solch eine Einstellung bei Jugendlichen zu verbreiten. Außerdem ist die Rolle des Ministeriums nicht, die Kooperation homosexueller Organisationen zu unterstützen.“

Mittlerweile setzt die Bewerbung für einen EFD nur noch die Zustimmung der Nationalagentur des Aufnahmelandes voraus, Die schwedische Nationalagentur hatte den Antrag schon im letzten Jahr angenommen.

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Monika Grzywnowicz